Nehmen Sie sich Zeit und Raum

Als systemischer Coach gebe ich meinen Klienten mit ihrem Anliegen Zeit und Raum. Bereits das ist eine Besonderheit in unserem Alltag: Es geht nur um sie und sie dürfen ganz sie selbst sein. In diesem Raum dürfen sie auch unbequem sein, müssen die Worte nicht auf die Goldwaage legen, keine Rücksicht auf andere nehmen. Denn es geht nicht darum zu gefallen, es geht nicht um Beurteilungen, um richtig oder falsch. Vielmehr geht es um Wertschätzung, um Lösungen, um Bedürfnisse und Ressourcen.

Genau dieser Freiraum schafft eine Atmosphäre, in der kreative Lösungen ebenso möglich sind wie befreiende Aussagen, überraschende Erkenntnisse und eine stärkende Klarheit. Manchmal sind diese Augenblicke so kraftvoll, die Veränderung so spürbar und die Erkenntnis so weit reichend, dass ich sie liebevoll „magic moments“ nenne.

Das Bewusstsein um die wieder gewonnene oder ausgebaute Handlungskompetenz lässt die Klienten gestärkt gehen. Mit der Erkenntnis und den konkreten Handlungsabsichten hinsichtlich des Anliegens bzw. Ziels geht es zurück in den Alltag – jedoch mit dem Unterschied, dass sich bereits etwas verändert hat.

 

In den Schuhen anderer Menschen … Akzeptanz der Andersartigkeit

Mit Schuhen ist es so eine Sache …  Die Auswahl an Modellen ist riesig, dazu Farben, Materialien, usw. – und trotzdem sind sie manchmal schlicht zu klein, zu groß, zu unbequem, unpassend für den Anlass etc.

Da hilft nur an- und auszuprobieren. Ob Mann oder Frau, es geht um die Passgenauigkeit und das Gefühl, bequemen und sicheren Schrittes in den eigenen Schuhen laufen zu können. Die Entscheidung trifft jeder für sich, denn nur, weil ich in einem Paar gut laufen kann, gilt das noch lange nicht für andere … Denken Sie an Kinder in Erwachsenenschuhen – das funktioniert auch nicht 😉

Dieses Bild habe ich in manchen Momenten im Kopf sowohl im Coaching und in Gesprächen als auch kürzlich wieder in einem Seminar. Die Teilnehmenden sammelten Vorschläge zur Problemlösung. Die Ideen waren ganz unterschiedlich, woraufhin ein Teilnehmer anmerkte, dass aber nur eine Möglichkeit in Frage käme und man auf gar keinen Fall anders handeln könne.

Das rigorose Vertreten dieser Meinung hat mich überrascht: Da war kein Spielraum für andere Ansichten und unterschiedliche Charaktere. Da war nur die Überzeugung, den einzig richtigen Weg zu kennen – und damit verbunden, das Beharren darauf, dass nur der eigene Ratschlag Hilfe bringt oder die eine Sichtweise alles erhellt.

Und genau da drückt für mich der Schuh! Menschen sind unterschiedlich und deshalb dürfen ihre Lösungsansätze und Sichtweisen auch ganz verschieden sein. Wir genießen die vielfältigen Möglichkeiten unserer Zeit und doch sind wir ständig versucht, nach Patentrezepten für jede Situation und Persönlichkeit zu suchen. Doch was für mich richtig ist, muss es nicht für mein Gegenüber sein. Wege von anderen Menschen können ganz ungewöhnlich auf uns wirken und am Ende doch genau zum angestrebten Ziel führen: weil es die richtige Route für die Person ist, die sie beschreitet.

Passt der Schuh?
Passt der Schuh?

Wie wir agieren hängt von unserer Persönlichkeit ab, von der Situation, von unserer Erfahrung, von unserer Tagesform … Es gibt kein „immer einsetzbar und gültig“. Ich möchte Vielfalt und Andersartigkeit wertschätzen und Menschen darin bestärken, ihre eigene Lösung zu finden. Ich glaube nicht an allgemeingültige, gar magische Formeln, sondern einfach an das passende Paar Schuhe – egal ob Turnschuhe, Wanderschuhe oder auch Stilettos: Kommen Sie gut an!