Effektive Häppchen – gelobt sei die Pomodoro-Technik

Als ich vor Jahren noch an meiner Doktorarbeit schrieb und mich am Wochenende oder abends nach der Arbeit noch einmal an den Schreibtisch setzen sollte, habe ich mich ganz häufig überlistet: Ich habe mir vorgenommen zumindest 30-45 Minuten konzentriert zu versuchen, etwas zu Papier zu bringen. Volle Konzentration, keine Ablenkung – und siehe da, meistens war ich danach tatsächlich im Schreibfluss.
Erst viel später bin ich über die Pomodoro-Technik gestolpert und habe festgestellt, dass ich diese Methode tatsächlich schon ganz lange im Ansatz für mich genutzt habe. Mittlerweile gehört Pomodoro zu meinem Alltag und ich lege die Technik auch immer wieder Seminarteilnehmern ans Herz.
Bei mir ist es ein Reh, bei Francesco Cirillo, auf den die Pomodoro-Technik zurückgeht, war der Kurzzeitwecker, der zum Einsatz kommt in Form einer Tomate. Doch ob Pomodoro (oder bei mir Capriolo), es geht darum, Arbeitsschritte in 25 Minuten-Häppchen einzuteilen – die sogenannten Pomodori. Nach einem Pomodoro gibt es eine 5 Minuten-Pause, alle vier Pomodori wird eine längere Pause (ca. 20 -30 Minuten) gemacht. Genau dieser Wechsel zwischen hochkonzentrierter Arbeit und Pause ist hilfreich und tut uns gut.

Ob Capriolo oder Pomodoro – Hauptsache Technik!
Ob Capriolo oder Pomodoro – Hauptsache Technik!

Was ich so großartig an dieser Technik finde, ist die hohe Konzentration auf EINE Aufgabe. So sehr ich ein Multitaskingmensch bin, manchmal braucht es Monotasking, um wirklich effizient zu sein. Und ich bin immer erstaunt, wie unglaublich effektiv ich in gerade 25 Minuten sein kann – egal ob am Schreibtisch im Büro oder auch im privaten Bereich. Und wie früher hilft mir das Stellen des Weckers auch heute noch, um einfach loszulegen, denn es sind ja nur 25 Minuten 😉

Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall!

PS: Wer mehr über die Pomodoro-Technik erfahren mag, findet auch jede Menge im Netz, plus Bücher, Videos und Apps …

Ein Lob auf Ronja Räubertochter

Vor ein paar Tagen stolperte ich über ein Zitat, das mich nicht mehr losgelassen hat. Es stammt aus Astrid Lindgrens wunderbarem Buch „Ronja Räubertochter“. Es ist der Moment, in dem Ronja das erste Mal die sichere Burg der Eltern verlässt:

„Hüte dich vor den Wilddruden und den Graugnomen und den Borkaräubern«, sagte er. „Woher soll ich wissen, wer die Wilddruden und die Graugnomen und die Borkaräuber sind?“ fragte Ronja. „Das merkst du schon“, antwortete Mattis. „Na, dann“, sagte Ronja.
„Und dann hütest du dich davor, dich im Wald zu verirren“, sagte Mattis. „Was tu ich, wenn ich mich im Wald verirre?“ fragte Ronja. „Suchst dir den richtigen Pfad“, antwortete Mattis. „Na, dann“, sagte Ronja.
„Und dann hütest du dich davor, in den Fluß zu plumpsen“, sagte Mattis. „Und was tu ich, wenn ich in den Fluß plumpse?“ fragte Ronja. „Schwimmst“, sagte Mattis. „Na, dann“, sagte Ronja. (…)
„Sonst noch was?“ „O ja“, sagte Mattis. „Aber das merkst du schon selber so allmählich. Geh jetzt!“
(aus Astrid Lindgren: „Ronja Räubertochter“, Oetinger Verlag)

Ist das nicht großartig?! So viel Vertrauen – sowohl in die eigenen Fähigkeiten seitens Ronja als auch das Vertrauen von Mattis in seine Tochter: Sie wird es schon machen.
Es ist egal ob es darum geht, einen Weg zu finden, sich vor Gefahren in Acht zu nehmen, sich zu versorgen oder sich zu helfen wissen. Mattis traut Ronja einfach zu, dass sie schon herausfinden wird, was zu tun ist und wie sie sich zu verhalten hat. Er bestärkt sie rauszugehen. Sie soll herausfinden, was auf sie wartet und ihre eigenen Erfahrungen machen.
Das lässig-forsche „Na, dann“ von Ronja spiegelt diese Überzeugung wider. Sie hat Vertrauen geschenkt bekommen und das trägt sie in sich. Ja, es gibt gefährliche Momente oder Situationen, in denen man einen (neuen) Weg suchen muss, aber es wird schon werden. Und nur, wenn sie rausgeht und es ausprobiert, wird sie sich entwickeln und wachsen.

Na dann! Machen wir uns auf Entdeckungstour  ...
Na dann! Machen wir uns auf Entdeckungstour …

Ich fand Ronja schon als Kind toll und entdecke sie gerade mit anderen Augen neu: Ich wünsche mir im Alltag, ob beruflich im Coaching oder privat, mehr gelassene „Na, dann“-Gespräche, mehr Mut sich auszuprobieren, mehr Glaube an die eigenen Fähigkeiten und mehr Vertrauen in uns selbst – und andere! Wir werden ja schon herausfinden, was auf uns wartet.
Denken Sie in nächster Zeit mal ab und zu an Ronja und sagen Sie sich „Na, dann“, wenn Sie unbekannte Wege beschreiten, den Job wechseln oder Neues lernen. Und ermutigen Sie ruhig auch andere. Wir brauchen mehr Menschen wie Ronja und Mattis!

Gut gemacht! Loben Sie mal wieder – auch sich selbst …

Ob beruflich oder privat, ein Lob tut gut und wird leider doch viel zu selten ausgesprochen. Warum eigentlich? Mit einem ehrlichen Lob drücke ich Anerkennung aus, meinen Respekt für eine Person und deren Leistung. Das muss gar nicht immer eine große Aufgabe sein, auch im Alltag und im Kleinen lässt sich loben.

Lob als Form von Anerkennung zeugt von Aufmerksamkeit und Wertschätzung, freut den Empfänger, motiviert und stärkt ihn. Ich finde Lob ist das Krönchen für eine vollbrachte Aufgabe und das kann für mich gleichermaßen ein erfolgreicher Geschäftsabschluss sein, wie ein toll zubereitetes Gericht oder der erste, mutige Schritt in die Selbstständigkeit – da kann man doch nur loben und gratulieren!

Lob ist eine positive Äußerung, die demjenigen bewusst macht, dass ihm oder ihr etwas besonders gut gelungen ist oder er/sie ein besonderes Geschick hat. Es ist schön gelobt zu werden und Anerkennung zu erfahren. Und es macht auch Spaß zu loben … sogar sich selbst?
Sich selbst loben? Das gern zitierte „stinkende Eigenlob“? Nein! Wenn ich davon spreche sich selbst zu loben, meine ich nicht übertriebene Selbst-Beweihräucherung, bei der man schon peinlich berührt ist. Ich denke vielmehr daran, die eigenen Leistungen anzuerkennen und wertzuschätzen. Wie oft sagen Sie, „das war doch selbstverständlich“ oder „das habe ich mal eben gemacht“? Würden Sie es bei einem guten Freund oder Kollegen auch als selbstverständlich erachten? Ein Außenstehender sieht das meist anders und so lautet die Antwort vermutlich „Nein“.

Sie müssen Ihr Lob ja nicht gleich von den Dächern schreien, aber warum sollten Sie sich selbst nicht ebenfalls Anerkennung entgegenbringen, innehalten und sich denken: „Das habe ich wirklich gut gemacht!“ Ein stilles Klopfen auf die eigene Schulter sieht ja keiner … und wenn Sie mutiger werden, dann sagen Sie vielleicht auch einer vertrauten Person, dass sie gerade stolz sind, weil Ihnen etwas Wunderbares gelungen ist! Ich denke, mit Selbst-Kritik sparen wir ja meist auch nicht, dann geizen wir doch auch nicht am Selbst-Lob und belohnen uns mit der Wertschätzung der eigenen Person!